" /> Sabine reicht es! Wieso uns dieses Leben so viel Kraft kostet und wie man sie stattdessen verwenden kann. - Manuel J. Kugler
Sonnenaufgang

Dez 27, 2021 | Lebensweg, Selbstfindung

Sabine reicht es! Wieso uns dieses Leben so viel Kraft kostet und wie man sie stattdessen verwenden kann.

Lebensweg, Selbstfindung

Eine fiktive Kurzgeschichte, die uns Hoffnung machen kann, wenn wir durch Sie auch womöglich erkennen, was in unserem eigenen Leben aktuell nicht stimmt. 

Lesezeit: ca. 8 Minuten.

Wieder einmal schleppt sich Sabine morgens ins Bad. Draußen ist es noch dunkel. Sehr dunkel. Um genau zu sein, weiß sie gar nicht, ob noch abends oder schon der nächste Morgen ist. Um diese Jahreszeit wird es einfach nicht mehr richtig hell. 

Im Badezimmer angekommen, erledigt Sabine ihre Morgentoilette und wirft einen flüchtigen Blick auf ihr Smartphone. 

Auf Instagram haben ihre Lieblings-Bloggerinnen wieder allerhand Produkte vorgestellt. Die Nachrichten verheißen nichts Gutes und Kerstin, ihre beste Freundin, hat noch immer Liebeskummer. 

Sabine geht in die Küche und macht sich eine Tasse Kaffee, die sie immer ein paar Minuten abkühlen lässt. In der Zwischenzeit hüpft sie unter die Dusche. 

Nach dem Duschen trinkt sie ihren Kaffee, in der Hand ihr Smartphone, um dort weiterzumachen, wo sie vorhin auf der Toilette aufgehört hat. Lieblos rührt sie in ihrem Müsli herum und isst ein paar Bissen. 

Schon muss sie wieder ins Bad, um sich zu schminken und fertig für die Arbeit zu machen. 

Sabine arbeitet bei einem größeren Immobilienverwalter, mitten in der Innenstadt als Assistentin des Vorstands. 

Grundsätzlich macht ihr der Job Spaß, vor allem die Kolleginnen und Kollegen sind über weite Teile in Ordnung. 

Nur wenn der Seniorchef, Heinz Schmidt, in der Firma ist, wird es unangenehmen. Er lässt seine Mitmenschen gerne wissen, wer die Firma gegründet hat und weshalb er auch mit Mitte siebzig noch Lamborghini fährt. 

Sabine blickt auf die Uhr und stellt fest, dass sie mal wieder spät dran ist. 

Eilig zieht sie sich ihre Standard-Bürouniform, bestehend aus einem schwarzen Blazer, weißer Bluse und knielangem Stiftrock, an. Noch eilig die nicht zu hohen Pumps an die Füße geworfen, die Tasche gepackt und auf in die Rush-Hour. 

Sabine könnte auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, bevorzugt aber die Ruhe ihres eigenen Autos, anstatt den Körpergeruch ihres Nachbarn in der U-Bahn. 

Kaum ist sie aus ihrer Wohnsiedlung auf eine der Hauptverkehrsadern abgebogen, bereut sie jeden Tag aufs Neue ihre Entscheidung und blickt neidisch auf die schnell vorbeifahrenden Menschen in der städtischen S-Bahn, die an ihr vorbei düst. 

Angekommen im Büro, begrüßt sie die ersten Kolleginnen in der Abteilung. Lisa ist auch schon da. Sabine und sie haben nicht den allerbesten Kontakt, was daran liegen könnte, dass Lisa der absolute neue Superstar der Firma ist. 

Blond, 178 cm groß, perfekte Figur – und sorry Lisa – aber nicht die hellste Kerze auf dem Kuchen. 

Die Chefs, allesamt Männer, bis auf Claudia Rößlein, die über die Jahre ebenfalls ein Mann wurde, zumindest in ihrem Verhalten, begrüßen die kecke und »verspielte« Art von Lisa. 

»Ganz anders Sabine.«

»Ach Sabine! Guten Morgen, du bist ja auch schon da!« tönt es auch gleich aus den hübschen Stimmbändern der attraktiven Lisa. 

»Guten Morgen Lisa«, erwidert Sabine schnell und versucht, sich sogleich aus dem Staub zu machen. Was wieder einmal nicht funktioniert hat. 

Lisa stürmt von ihrem Arbeitsbereich im Großraumbüro auf Sabine zu und verwickelt sie in ein 15 minütiges Gespräch über den neuesten Bürotratsch, Make-up-Trends und ihr überaus veritables Sexualleben. 

Als sich Sabine endlich lösen kann und ihren PC hochfährt, entdeckt sie gleich eine handgeschriebene Notiz ihres direkten Chefs, Hans Stock. 

Sie möge doch gleich morgens zu ihm in sein Büro kommen und eine gewisse Akte aus dem aktuellen Großprojekt mitbringen. 

Sabine sah auf die Uhr und stellte fest, dass bereits 5-nach-8 Uhr war und ihr Chef bestimmt bereits im Hause verweilte. Eilig suchte sie die Akte heraus und klopfte mit selbiger unterm Arm an die Tür ihres Chefs. 

»Dr. Hans Stock, Vorstand Immobilienakquise« steht in großen, goldenen Lettern an seiner Tür. 

»Herein!« tönt es aus dem Büro und Sabine tritt ein. 

»Sabine, na endlich. Sie sind spät dran, wo bleiben Sie denn?!«. Da es Sabine zu blöd war, Everybodys Darling-Lisa zu sein, sagte sie nichts darauf und wusste, dass ihr Chef sowieso gleich wie ein Formel-1-Fahrzeug losschießen würde. 

Genau das geschah auch und als Sabine das Büro von Dr. Stock verließ, nahm sie bereits ein erstes Unwohlsein in ihrer Magengegend wahr. Soeben hatte man ihr verkündet, dass das neue Großprojekt von der Stadt bewilligt wurde und nun am besten gestern mit dem Bau begonnen werden sollte. 

»Schließlich liegt das Geld auf der Straße. Zumindest, wenn man mit dem Bau beginnt, anstatt Kaffee zu trinken!«, erinnert sich Sabine an die Worte des 77-jährigen Playboys im Lamborghini, ihrem Seniorchef. 

Doch das bedeutet wieder einmal viele, viele, viele Überstunden, unzählige Telefonate mit weiß Gott wem von der Stadt und das Schlimmste daran ist, dass Sabine in diesem Projekt mit Lisa zusammenarbeiten sollte. 

»Was haben die Jahre meines Lebens eigentlich gebracht, in denen ich alle Projekte immer zur vollsten Zufriedenheit aller Beteiligten abgewickelt habe? Ist der Dank nun, dass ich mit unserem neuen Superstar arbeiten darf?« dachte sich Sabine und setzte sich bedient an ihren Schreibtisch. 

»Sabine!« tönt es da in beschwingter Stimmung wie auf Kommando. »Dr. Stock hat mich gerade angerufen. Wir sollen im neuen Projekt zusammenarbeiten. Ach, das wird bestimmt mega!. Ich könnte dich drücken vor Freude!« rief Lisa durch das gesamte Büro. 

Auch im weiteren Verlaufe des Tages sollte es nicht unbedingt besser werden. 

Frustriert und desillusioniert fuhr Sabine als letzte in der Abteilung ihren Rechner um kurz nach 18:00 Uhr herunter. 

Sie packte ihre Tasche und machte sich auf den Weg zu ihrem Auto. 

Dort angekommen, spielte sie ihre »Alles ist Kacke!!!-Playlist« über ihr Smartphone und die Bluetooth-Verbindung ab und fuhr nach Hause. 

Während sie im Feierabendverkehr steckte und mal wieder nichts vorwärts ging, überlegte Sabine, ob es das wirklich schon ist im Leben:

Von Montag bis Freitag gibt sie sich zweimal täglich in eine Metallschlange, um von ihrem Wohnort zur Arbeit zu gelangen. Dort angekommen, arbeitete sie sich die letzten 12 Jahre den Allerwertesten auf, nur damit nun ein blondes junges Ding kam, um nach und nach alle ihre Projekte zu übernehmen. 

Wie viele Überstunden hat sie in den letzten Jahren eigentlich gemacht? Und auch heute hat sie wieder dienstbeflissen ihren Laptop mitgenommen, um noch kleinere Recherchearbeiten beim Abendessen und Netflix schauen nebenbei erledigen zu können. 

»28 Tage bezahlter Urlaub im Jahr und ein passables Gehalt.«

Doch zu welchem Preis eigentlich? 

Ja genau, liebe Leserin, lieber Leser. Zu welchem Preis eigentlich? Kann es sein, dass ihr Leben – natürlich nicht in den Details – aber im Großen und Ganzen auch so aussieht? 

Kürzlich fuhr ich zu einem alten Kunden, den ich von früher kenne. Ich erwischte die Rushhour und war es gar nicht mehr gewöhnt, so viele Autos um mich herum zu sehen. 

Menschen sehen gestresst aus in ihren Autos. Man sieht ihnen an, dass ihnen dieses Leben, was sie jeden Tag leben, keinerlei Freude bereitet. Und doch halten sie es aus, um zum Beispiel für ihre Kinder zu sorgen. Um den Kredit vom Reihenhaus abzubezahlen, was ihnen eigentlich gar nicht so gut gefällt und sie genau wissen, dass ihre Kinder sich vermutlich sowieso eines Tages gegen dieses Haus entscheiden werden. 

Wozu das alles? 

Was ich im Stau stehend an Energie wahrgenommen habe, war purer Stress. Wieder zuhause angekommen, musste ich mich erst einmal wieder davon befreien und durchatmen. 

Wie konnte ich das früher in meinem von Stress geplagten Vertriebsjob im Außendienst nur aushalten? 

Wer soll in diesem Lebenskonzept die Chance haben, in die Tiefe zu gehen und herausfinden, was sie oder er wirklich im Leben möchte? 

Zu erkennen, wer man eigentlich ist und was das Herz erfüllen würde? 

Wie soll das bei zweimal Rushhour, unnützen Projekten, mehr oder weniger nervenden Kollegen in einem strikt hierarchischem System, in dem es nur um die Gewinnmaximierung geht, zu schaffen sein? 

Die Antwort? Es ist ausgeschlossen. 

Die einzige Chance, die bleibt, ist, sich Zeit für sich zu nehmen. Sich freizuschaufeln aus dem »Alltag«, welcher uns zu Sklaven macht. 

Doch wer macht uns zu Sklaven? Der Arbeitgeber? Der Staat? Das Geldsystem? Alle drei? Vielleicht. Und doch geht es noch vielmehr darum die Frage zu stellen, wie kann ich mich aus diesem Modell so weit frei machen, dass ich herausfinden kann, wer ich bin und was ich will? 

Selbstfindung und Selbsterkenntnis vermögen nur zu gelingen, wenn wir die Bereitschaft im Herzen tragen, uns Zeit zu verschaffen. Für uns selbst. Mit uns selbst. 

Was Sabine also tun sollte, um sich klar darüber zu werden, was sie eigentlich vom Leben will, ist, eine Auszeit zu nehmen. 

Raus zu gehen aus dem Alltag eines Lebens, was uns im Grunde des Herzens unglücklich macht. 

Jeder Mensch kann das tun. Egal, wie stressgeplagt die Lebensumstände sind. Mancher mag entgegnen, dass das so einfach nicht ginge und man nicht »einfach so« Zeit für die Selbstverwirklichung haben könne. 

Doch. Das ist möglich. Und auch noch sehr ratsam. Denn wer, wenn nicht wir selbst, kann herausfinden, wer wir sind und was wir wollen? Diesen Job übernimmt niemand für uns. Unseren anderen Job, den Job, den wir womöglich ausüben, um unsere Brötchen zu verdienen, den kann getrost jemand anderes übernehmen.

Denken wir einen Moment darüber nach: Der Job, der uns so wichtig erscheint und dem gegenüber wir uns verpflichtet fühlen, bestimmte Leistungen zu erbringen, unsere Laptops abends hochzufahren und noch etwas für das ach so wichtige Projekt zu unternehmen, kann von jedem anderen Menschen mit einer ähnlichen Qualifikation übernommen werden. 

Während der Job, herauszufinden, wer wir eigentlich sind und was wir wollen, ganz bestimmt nur von uns selbst übernommen werden kann. 

Also frage ich mich, welcher dieser Jobs Priorität haben sollte und welcher der Jobs gerade stattdessen Priorität erhält. 

Wir kennen die Antwort. 

Diesen Job kann niemand für uns übernehmen. Nur – und das ist auch gut so – wir selbst können in uns hinein fühlen, um herauszufinden, was wir mit unserem Leben anfangen wollen. 

Wir sind Niemandem eine Rechenschaft schuldig, außer uns selbst. 

Ich frage mich, wann es die nächste Gelegenheit gibt, um uns selbst die Aufmerksamkeit zu widmen, die wir verdienen. 

Sonst wird es niemand für uns tun. 

Wann also wachen wir auf und realisieren, dass der wichtigste Job in unserem Leben wir selbst sind? 

Mal sehen, was bei Sabine noch so alles geschieht in nächster Zeit. Vielleicht findet sie schon bald wieder Gelegenheit, in meinen Artikeln vorbei zu schauen. 

Bis dahin rate ich dringend etwas zu unternehmen, um das Alltagsmonster, und wenn auch nur kurzzeitig, aus unserem Leben zu verbannen. 

Auf bald, 

Manuel J. Kugler 

»Berufung finden« – das Buch

Ein Leben zu leben, welches uns im Grunde unseres Herzens unglücklich macht, ist nicht erstrebenswert. Was wäre wenn es eine Möglichkeit gäbe, sich voll zu erfahren, zu erkennen wer man ist, und was man wirklich will im Leben?

  • Buch Teil 1: Was ist eine Berufung und weshalb ist es mehr, als nur ein Beruf?
  • Buch Teil 2: Wie man seine Berufung nicht findet
  • Buch Teil 3: 12-Schritte zur eigenen Berufung. Der Herzenssuche-Prozess.
  • Buch Teil 4: Alle Stolpersteine aus dem Weg: Die eigene Berufung wirklich leben.
  • Buch Teil 5: Geschichten über Menschen, die ihre Berufung fanden und leben

Das Buch ist für alle Menschen geschrieben, die fühlen, dass es mehr als die westliche Standardvorstellung aus Geburt-Schule-Ausbildung/Studium-Job-Rente-Tod gibt.

Es nimmt jeden and die Hand zur eigenen Berufung, der  sich wirklich auf das Buch einlässt.

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