Sonnenaufgang

Dez 27, 2021 | Selbsterkenntnis

Wie der Unterschied zwischen drei und -vierlagigen Toilettenpapier mein Leben veränderte

Selbsterkenntnis

Wir schleppen uns von Meeting zu Meeting. Arbeiten sinnfreie Agenden ab und verschwenden dabei nur unsere wertvolle Lebenszeit. 

Lesezeit: ca. 8 Minuten.

Es war in meiner Ausbildung. Wir saßen an dem großen, schweren Designer-Echtholztisch in der offenen Küche. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterhielten sich, bis die Chefin kam. Wir waren ein kleines Team in einem mittelständischen Unternehmen. Das Meeting begann und ich war aufgeregt. Es war mein erstes Meeting. Ich dachte „Wow, jetzt muss etwas Wichtiges passieren, es ist ja ein Meeting.“ 

Aus dem Fernsehen wusste ich, dass Meetings etwas Wichtiges waren. Geschäftige, wichtige Personen entscheiden über wichtige Dinge. Ich sollte eines Besseren belehrt werden. Und das kam so: Als die wichtige Chefdisponentin an der Reihe war, sprach sie sogleich über ein für sie wichtiges Thema. Sie packte eine Rolle Toilettenpapier auf den teuren Esstisch und sagte: „Chefin, wir sollten zukünftig wieder das 4-lagige Klopapier verwenden“. Ich war schockiert. 

Bis dahin dachte ich wirklich, Meetings seien eine wichtige Sache, in denen wichtige Entscheidungen getroffen werden. Es brandete tatsächlich eine minutenlange Diskussion auf, ob nun das 3-lagige Toilettenpapier ausreichte, oder ob wieder das teure 4-lagige Papier gekauft werden sollte. In diesem Moment wusste ich, dass ich am falschen Ort war und wichtige Lebenszeit verschwende. Damals war ich 18 Jahre alt und es sollte nicht mein letztes Meeting gewesen sein. 

Der Horizont einiger Menschen ist leider genauso groß geworden, wie die Entscheidung ob des richtigen Toilettenpapiers. Das ist Schade und stimmt mich anlässlich der Grenzenlosigkeit, die in uns wohnt, traurig.

Das Fatale ist, dass wir unsere kostbare Lebenszeit in Meetings mit solchen Menschen vergeuden. In unserer Karriere kommen wir unweigerlich an einen Punkt, an welchem wir erkennen, dass das, was wir da gerade tun, sinnlos ist.

Jeder verrichtete „Job“, der nicht den Menschen oder ihrer eigentlichen Entwicklung dient, entpuppt sich, Entschuldigung für die Ehrlichkeit, früher oder später als komplett sinnfrei.

Der einzige Zweck solcher Jobs dient dem Gewinnstreben der Eigentümerfamilien, egal was uns die CSR (Corporate Social Responsibility) und deren Marketing-Teams erzählen wollen. 

In der Gesellschaft erfahren Diejenigen mit einem Dienst am Menschen die wenigste Anerkennung, obwohl sie am notwendigsten wäre. Diejenigen, die in der Lage sind, Gewinne zu maximieren, erhalten hingegen die meiste Belohnung.

Doch irgendwann versteht, wenn auch vielleicht nicht in diesem Leben, auch der Letzte, dass es im Grunde sinnlos ist, in Meetings zu sitzen und so hart am Erfolg des nächsten Projektes zu arbeiten.

»Als ich dies erkannte, war ich (…) erleichtert.«

Nur um dann festzustellen, dass das nächste, für das Unternehmen und einen selbst scheinbar überlebenswichtige Projekt schon in den Starlöchern steht. Es hört niemals auf.

Wer dies erkannt hat und sozusagen „aufgewacht“ ist oder gerade dabei ist, sich die Sinnfrage in seinem Job zu stellen, tut gut daran, es nicht blindlings im nächsten, sinnfreien Unternehmen zu versuchen. Auch dort gibt es sinnlose Meetings mit Personen, deren Horizont bis auf die nächste Toilette reicht (3- oder 4-lagig…?).

Stattdessen ist es eine Einladung des Lebens an uns, wenn wir (mal wieder) den Sinn in unserem Job verlieren und der unzähligen Meetings und Projekte überdrüssig geworden sind. 

Ich habe mehrere dieser Einladungen meines Lebens gebraucht, bis ich begriff, dass alle Jobs, in denen ich tätig war, im Grunde sinnfrei waren. Das war schockierend und doch befreiend. Jeder Job, den man ausübt und der von einer anderen Person, wenn nicht von uns selbst, ebenfalls ausgefüllt werden kann, ist ein Job, der das große Potenzial hat, sinnfrei zu sein.

Als ich dies erkannte, war ich auch erleichtert. Da ich nun wusste, dass es nicht an mir liegt, sondern daran, dass ich mich durch sinnfreie Jobs quälte, machte mich dies innerlich frei.

Die einzig wichtigen Meetings, die es gibt, sind jene, die im Stillen mit uns selbst stattfinden. Bei solchen Meetings geht es darum, herauszufinden, wer wir wirklich sind und was wir wollen. Diese Treffen mit unserer inneren Wahrheit haben solange zu wenig Platz in unserem Leben, wie wir an sinnlosen Meetings in sinnfreien Jobs teilnehmen.

Der Ausweg heißt: Abstand von diesem Alltagsleben und hinein in eine stille Umgebung, in der wir innere Einkehr finden. Wie das gelingen kann und weshalb es unbedingt notwendig ist, Abstand von Alltag, Job und sonstigen Verpflichtungen zu finden, besprechen wir im nächsten Artikel.

Von Herzen,

Manuel J. Kugler

»Berufung finden« – das Buch

Ein Leben zu leben, welches uns im Grunde unseres Herzens unglücklich macht, ist nicht erstrebenswert. Was wäre wenn es eine Möglichkeit gäbe, sich voll zu erfahren, zu erkennen wer man ist, und was man wirklich will im Leben?

  • Buch Teil 1: Was ist eine Berufung und weshalb ist es mehr, als nur ein Beruf?
  • Buch Teil 2: Wie man seine Berufung nicht findet
  • Buch Teil 3: 12-Schritte zur eigenen Berufung. Der Herzenssuche-Prozess.
  • Buch Teil 4: Alle Stolpersteine aus dem Weg: Die eigene Berufung wirklich leben.
  • Buch Teil 5: Geschichten über Menschen, die ihre Berufung fanden und leben

Das Buch ist für alle Menschen geschrieben, die fühlen, dass es mehr als die westliche Standardvorstellung aus Geburt-Schule-Ausbildung/Studium-Job-Rente-Tod gibt.

Es nimmt jeden and die Hand zur eigenen Berufung, der  sich wirklich auf das Buch einlässt.

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